Allgemeine musikalische Zeitung

[p. I]

INHALT

des

sechsten Jahrgangs

der

Allgemeninen Musikalischen Zeitung.

[October 1799, p. 33]

Auf dem Violoncello haben sich erst in diesem Jahrhunderte Virtuosen gebildet, nachdem man den ungeheuern Violon anfangs in den Quartviolon und endlich in das Violoncello nach dem verjungten Masstabe reduciert, dagegen aber die naselnde Gambe verabschiedet hatte, die aller Wahrscheinlichkeit nach,n einst mit der Viola d’amore, der Mandoline, der Laut eund Theorbe – alles Töchter der Guitarra – aus Spanien über Italien zu uns Deutschen übergieng.

[September 1800, p. 845]

Kommen aber, wie am 23 Julii der Fall war, Italiener her, die aus grossen Opern einzelne, aus dem Ganzen herausgerissene Scenen singen; dabey wie toll herum springen, und den Buffon vom Theater in den Konzertsaal versetzen, und auf einer schlechten Viola anglaise, oder sogenannten Leier, auf der Mandoline und Guitarre Etwas von sich geben: dann feylich ist es voller, als wenn der bescheidenen Thurner nur auf der Flöte blässt. Flöte spielen hat man ja schon gehört!

[July 1801, p. 39

de Zucconi, Fr., 6 Variations pour la Guitarre et Violon ou Mandoline. 8 Gr. 

[p. 45 1803. October]

Herr Bortolazzi, Virtuos auf der Mandoline. Auf der Mandoline? wiederholen viele Leser kopfschüttelnd und lächelnd. Es sey drum! Wahr ist es allerdings, dass dies kleine, beschränkte, in weniger geschickter Hand nur zirpende Instrument nicht ohne Grund wenig Kredit in Deutschland hat: aber Hr. B. giebt eninen vollgültigen Beweis, wie Geist, Gefühl, Geschmack und unermüdlicher Fleiss auch durch ein unbedeutendes Organ zu sprechen vermögen. Seine Konzerte mit voller Orchesterbegleitung können, der Natur der Sache nach, weniger interessiren: aber seine Variationen und ähnliche kleinere Stücke,

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(meistens von seinem siebenjährigen Sohne auf der Guitarre, und gut begleitet,) so wie sein Improvisiren, sind sehr hörenswerth un äusserst erfreulich. Schwerlich möchte irgend Jemand, als ein Italiener, durch Kleines so interessant werden können. Hr. B. hat auch artige Kompositionen für sein Instrument herausgegeben; andere werden bald erscheinen.

[November 1803]

Bey Breitkopf und Härtel sind seit Johannis d. J. folgende neue Werke erschienen:

[…]

Bortolazzi, Variations pour la Mandoline ou Violon avec accomp. de Gutiarre. 8 Gr.

– – Sonate p. le Pianof. avec acc. d’une Mandoline ou Violon. Op. 9. 16 Gr.

[1804 Januar p. 205]

Am 15ten Nov. gewährte uns der Mandolinspieler Bortolazzi ein einfaches, aber esto schöneres Vergnügen. Seine bewundernswürdige Fertigkeit ist schon aus diesen blättern bekannt, und auch hier wird Jeder das Gesagte gern unterschreiben.

[1804 März p. 403]

KURZE ANZEIGEN.

[…]

VI Variations sur l’air: Nel cor più non mi sento, de l’opéra La Molinara pour la Mandoline ou Violon, avec accomp. de la Guitarre comp. et déd à son Altesse Monseig. le Duc d’Accierenza Pignatelly etc. par B. Borto-

[p. 404]

lazzi. Oeuv. 8. A Leipsic, chez Breitkopf et Härtel. (Pr. 8 Gr.)

Hr. B. ist durch seine Reisen in Deutschland als der vorsüglichste aller Mandolinspieler, die man seit langer Zeit unter uns gehört haben mag, bekannt, und auch seine Kompositionen für dies Instrument kennet man aus seinem Vortrag. Sie sind an Geist und äusserer Einrichtung, wie sie für dies beschränkte aber niedliche Instrument seyn können und seyn müssenn; vermeiden auch die, vielleicht ächt-spanischen, aber darum gewiss noch nicht schönen Zierereyen früherer Mandolinenstücke, (wie die zitternden Ausgänge u. dgl.) und zeigen überhaupt von feinem Geschmack. So sind nun auch die angezeigten Var. Gut gespielt, müssen sie überall gefallen; aber sie gut zu spielen, ist nicht leicht. Das Accompagnement der Guitarre ist kinderleicht und giebt nur die Akkorde, gebrochen. Der Stich ist deutlich und gut.

[1804 März p. 431]

NACHRICHTEN

Berlin, den 16ten März. Am 27sten Februar gab der Prof. Bortolazzi aus Vene-

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dig ein Konzert im Saale der Stadt Paris. Er selbst spielte eins seiner Konzerte auf der Mandoline, begleitet von einer obligaten Guitarre, die sein 8jähriger Sohn spielte; eine Romanze mit einer Fantasie für Mandoline und Guitarre, und Variationen für eben diese Instrumente aus der schönen Müllerin.

[1804 April. p. 481]

Variationen für die Mandoline un Guitarre aus der schönen Müllerin spielte Hr. Bortolazzi und dessen Sohn.

[1804. May p. 541]

Leipzig.

[…]

In einem Konzert des beliebten Mandolinspielers, Hr. Bortolazzi, worin er seine Zuhörer auch diesmal angenehm unterhielt – wurde durch unsern braven Riem ein neus Quartett von Dussek, für Pianoforte, Violin, Viola und Violoncello, zum erstenmal öffentlich producirt […] [1804 Juny p. 64]

v. Call, L.

[…]

– – Variations pour la Mandoline ou le Viol. et la Guit. Op. 8. 8 Gr.

[1804 July p. 722]

Herr Wend spielt übrigens ausser Orgel, noch Harfe, Klarinette, Mandoline, Waldhorn, auch fertig Klavier und sehr gut Flöte, die sein Hauptinstrument ist. Jetzt beschäftigt er sich auch mit der Mundharmonika.

[1804 November p. 7]

Bortolazzi, Anweisung die Mandoline von sebst zu lernen, nebst Uebungsstücken. 16 Gr.

[1805 Februar p. 25]

Bortolazzi, B., 6 Thèmes av. Var. p. Violon ou la Mandoline avec accomp. de Guitarre. Op. 16. Liv. 1 et 2. 1 Thlr. 4 Gr.

[1805 Juny p. 583]

Am 19ten April gab Hr. Firdzeri – Professor der Musik, (seit dem ersten Jahre seines Alters blind,) und des Lyceums der Künste zu Paris, so wie verschiedener Akademieen und anderer gelehrten Gesellschaften Mitglied – hier ein Konzert. Er war schon vor dreyssig Jahren und länger, theils durch seine Kompositionen mehrerer Opern und anderer Werke, theils durch sein Spiel auf der Violine und Mandoline, in Frankreich berühmt, und seine Konzerte etc. die er hier spielte, können immer noch vielen der neuesten französischen Kompositionenen der Art an die Seite gesetzt werden. Seine Spielart ist indessen alt und seltsam, wie sein Vortrag; doch nicht ohne die grösste Verwunderung hört man ihn, in kauderwälschen Stricharten und Applikaturen, schwere Passagen bestimmt, nett und rein vortragen. Seine Demoiselle Tochter, die ihn begleitet, spielt sehr gut Harfe und Violin, und singt auch; aber such auch sie folgt nur ihrem Genie, und trägt alles regellos vor, überwindet aber auf ihren Instrumenten und mit ihrer schönen Stimme Schierigkeiten, die den Zuhörer staunen machen. Die Kompositionen, die sie zu hören gaben, waren alle von Hrn. Fridzeri, und hatten durchaus das Gepräge der Freundlichkeit und guten Laune, die auch so lebhaft aus dem Gesichte des interessanten Verfassers sprechen. Mocht doch dieser gute Alte mit seiner talentvollen Tochter auf seinen Reisen überall eine gute Aufnahme, und die ihm gebührende Achtung und Unterstützung finden! – –

[12 Juny 1805 p. 585]

Altschottische Lieder mit Klavierbegeitung nach den altschottischen Melodieen ausgesetzt von Joseph Haydn, mit deutscher Nachbildung von J. W. (auf dem zweyten Hefte heisst es von G. A.) Wagner. Zwey Hefte. Leipzig, bey Breitkopf und Härtel. (Beyde Hefte 1 Thaler.)

[… p 586]

Sie sind ferner ohne alle Besiehung auf irgend ein Instrument empfangen und geboren, und unterscheiden sich dadurch wider von den deut-

[p. 587]

schen, deren Beziehung – grossentheils auf Begleitung von Waldhörnern, so wie die der italienischen und spanischen auf Begleitung von Zitter, von Mandoline etc. unverkennbar ist.

[September 1805 p. 58]

Call, Leon. de, Variat. p. la Mandoline ou le Viol. et la Guitarre, sur l’air: Qui dove ride Laura. Op. 25. 12 Gr.

[Jan 1807 p. 261]

Ausser den erwähnten Instrumenten, die mehr oder weniger bey musikalischen Aufführungen im Gebrauch sind, giebt es noch manche, mit welchen sich nur dann und wann die Erfinder derselben oder einzelne Virtuosen produciren, und welche bis jetzt noch nicht im mussikalischen Publikum verbreitet, oder auch wegen ihrer Schwierigkeiten und Unvollkommenheiten, zum Theil auch ganz zufallig, nicht in allgemenine Aufnahme gekommen oder vervielfaltigt worden sind. […] Es gehören dahin das liebliche Euphon und das angenehme Klavicylinder des Hr. D. Chladni, die sehr artige, feine Mandoline, […] [November 1807 p. 11]

Bortolazzi, B. 6 Thèmes av. Variat. p. le Violon ou la mandoline et la Guitarre. Op. 10 L. 1. 2. à 14 gr.

[Juny 1807 p. 625]

Herr Dr. M-k spielte auf der Mandoline eine veraltete Kleinigkeit – sehr kleinlich.

[März 1808 p. 413]

Im Januar dieses Jahrs gab Hr. Konzertm. Huzler aus Nürnberg, mit seinem 11jährigen Sohne, Konzert. […] Im zweyten Theile spielte der junge H. noch Mandoline […] [März 1809, p. 358]

Von öffentlichen Konzerten kann ick nur wenig sagen. In Florenz war während meines dortigen Aufenthalts nur eins, das ein gewisser Vimercati auf der Mandoline gab. Er leistet ausserordentlich viel auf sei nem Instrument, aber dieses ist denn doch für ein Konzertinstrument gar zu ärmlich. 

[August 1811, p. 563]

Ein Concert auf der Mandoline, vom Hrn. Hummel, gespielt von der Dilettantin, Dem. Caroline Mora, mit vielem Beyfall.

[April 1812, p. 291]

Oder wollen Sie nichts, als Gesang, so nehmen Sie Ihre Guitarre oder Mandoline; dazu brauchen Sie kein Orchester.

[July 1812, p. 443]

Concert für die Mandoline von Riotte, gesp. von Fräulein Mora […] [April 1813 p. 283]

Die Liebhaberey an der Mandoline nimmt sehr ab. Hr. Vimercati, ein Mayländer, jetzt auf Reisen in Deutschland, spielt dies Instrument sehr fertig. 

[December 1840, p. 859]

Im zweyten Act hatte das Terzett, (das erste Duett wurde ausgelassen,) nebst der Aria mit der Mandoline, gar keinen, alles Uebrige schwachen Beyfall.

[December 1818 p. 479]

Sonate pour le Clavecin et Violon (ou Mandoline) comp. et ded. aux Demoiselles Babette et Madelaine de Lechleitner par Vincent Neuling. Oeuv. 8. Vienne chez S. A. Steiner et Comp. Pres 2 fl. W. W.

Referent hat nich bald unter leichteren derley Sätzen eine Sonate gehört, die ihm mehr angesprochen hätte, denn nebst einer guten Anlage in allen drey Sätzen – Allegro C, G-dur, Scherzo 3/4 G-dur Trio C-dur, Variationen G-dur, die mit einer Polonaise schliessen – findet man durchgehends eine sehr angenehme, merhmahelen äusserst zarte Durchführung, durch ein nichts weniger als besonders schwieriges und doch brillantes Accompagnement auf der Violine oder Mandoline unterstützt. – Nach Bericht ist es schon die zweyte Auflage, ein Beweis für die verdiente Anzeige sowohl, als eine erhebliche weitere Anempfehlung.

[April 1820 p. 228]

Zunächst müssen wir des Herrn Vimercati aus Mailand erwähnen, welcher auf der englischen Mandoline Variationen spielte. Man kann auf diesem mit der Guitarre fast auf gleicher Stufe ste

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henden Instrumente nicht mehr Fertigkeit in schwierigen Passagen, Präcision im Vortyrage, zarten Geschamck und geregelte Klarheit entfalten. Auch war der Beyfall rauschend, un der Virtuose wurde zweymahl nach einander von dem begeisterten Publicum gerufen.

[May 1820 p. 293]

Wiener-Schaubühnen.

Theater an der Wien. Am 2. May zum Vortheile der erstern Mitglieder des Kinder-Balletpersonales eine musikalische Akademie, bestehend aus der rauscheuden Ouverture zum Melodrame Noah, einem Chore in D-dur, aus ebendemselben, beyde von der CompositiondeHr. variationen für die Mandoline, gespielt von Herrn Vimercati. Darauf das Ballet: Oberon. Herr Vimercatie errang durch seine ausserordentiliche Fertigkeit auf seinem Instrumente Vielen Beyfall und wurde gerufen.

[Juny 1820 p. 403]

Ich komme auf die dritte frühlings-Oper, welche I due Figaro betitelt, neu von Herrn Carafa componirt, und verwichenen Dienstag zum ersten Mahle aber mit ungünstigem Erfolge gegeben wurde. Hat se Rossini in der lärmenden un geräuschvollen Musik auch weit gebracht, so ist das alles noch eine Sonate auf der Mandoline, im Vergleich mit manchem Stücke unsrer neuen Oper.